Infos zu Erdogan Bulut

„Die Bilder Buluts vermitteln all jenen mehr Standfestigkeit, die dem Einfluß des anderen mehr erliegen, als selbst erwünscht. Bertold Brecht würde anmerken: nur Betonklötze vibrieren nicht.“ Prof. Dr.Dr.Harald Brost in Verwirrende Klarheit

Auszüge einiger Katalogtexte und Presseartikel

„Als 20jähriger schmiss er seinen lukrativen Job als Topograf (Anm: in der Türkei) und wollte malen. (…) – kurz vor dem Militärputsch 1980. In Deutschland hoffte Bulut auf eine freiheitlich-demokratische Kunstausbildung, die er mit zehn anderen ausgewählten Studienanfängern an der renommierten Städelschule (Hochschule der Bildenden Künste, Frankfurt am Main (Anm: von 1985 – 1990) erhielt. Er lernt von den Professoren Per Kirkeby und Thomas Bayrle. (…)“ Beate Barrein, 2013 Künstlerporträt TAZ

„(…) Sie (Anm: seine Arbeiten von 1981 – 1988) zeigen auf eindringliche Weise eine gesellschaftliche Situation, die selbst in der künstlerischen Aufarbeitung nicht zu einer aufatmenden Lebensfreude führt, sondern Beklemmung zurückläßt. Seine Bilder haben sich von der Figuration gelöst, seine expressiven, großformatigen Gemälde zeigen noch diese Richtung, doch seine Pastelle und vor allem seine Zeichnungen beweisen neue gestalterische Kraft und Konsequenz.“ Filmvilla, Nürnberg, Pressestimmen, 1988

„In der jetzigen Ausstellung im Haus Reiss stellt der Bad Sodener Kunstverein einen außergewöhnlich begabten jungen Maler aus der Klasse Per Kirkebys an der Städel-Schule vor. Erdogan Bulut (…) zeigt Ölbilder und Radierungen. Je länger man die Bilder betrachtet, desto mehr wird man von ihnen gefangen genommen (…) Das Auge wird nie müde, Neues zu entdecken, Gemüt und Kopf werden gleichzeitig angesprochen. (…) Durch die Kombination sensibler Malerei und faszinierender Zeichnung erreicht Erdogan Bulut etwas, das er selbst als abstrakten Surrealismus bezeichnet.
Seine Motive entnimmt er hauptsächlich der Natur und weist damit kommentarlos auf ihre Gefährdung hin. (….) Die Arbeiten überzeugen und beeindrucken nicht nur durch die souverän beherrschte Technik. Malerisch feinfühlig, sowie sinnlich im Ausdruck vermitteln sie Intensität und Tiefe. Man spürt Engagement und Betroffenheit“ „Keineswegs wilde Formen“, Bad Sodener Zeitung im Taunus, 1989

„(…) 17 bundesdeutsche Kunstakademien und Fachhochschulen sind an diesem edlen Wettstreit mit Arbeiten von jeweils zwei jungen Künstlern beteiligt. Der von Kaspar König zusammen mit Tobias Rehberg nach Bonn entsannte Erdogan Bulut ist Kurde (…) bis noch vor wenigen Monaten studierte er an der Städelschule bei Thomas Bayrle und Per Kirkeby. Wie die Bildwelt seines Lehrers Kirkeby ist die seine bestimmt von Harmoniebedürfnis und einem fast innigen Empfinden für die Natur. (…) Es sind Bilder, die die Härte der Realität nicht verschweigen, ebensowenig aber den Wunsch nach Milderung und Besänftigung“, cvh „Bundeswettbewerb, Kunststudenten stellen aus „Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1990

„(…) Da sind seine von Arshile Gorki oder Matta gespeisten Quellen zu finden, beide, wie Erdogan Bulut, Exilanten, Arshile Gorky Armenier, Matta Chilene, und Erdogan Bulut Kurde. (…) Die Bilder werden von einem zentralen Thema bestimmt: Eine, nicht als Körper, aber als Rhythmus zu erkennende Zentralfigur. Ein „Kurdischer Reiter“, womit, von Rembrandt bis Kandinsky, Kunstgeschichte als „vereinnahmt“ vorgeführt wird . (…) Die Ölbilder Erdogan Buluts sind mit großer Sicherheit und mit Selbstverständnis gemalt, ohne modelustige Attitüde, getragen vom Interesse an den Tiefen der Malerei. Kein junger Künstler, der seinen Weg sucht, einer, der sich schon auf ihm befindet. Ein beachtenswertes Talent. Geleitet von der Tradition, getrieben von eigenen Themen.“ Verena Auffermann „Figur als Rhytmus“ in Frankfurter Rundschau, 1990

„Die zerfließende Vielfalt der Moderne formal zu bändigen, oder aber nach einer Explosion die Reste der vom Himmel herabstürzenden Teile zu ordnen, so wirkt vieles auf den ersten Eindruck, was Erdogan Bulut in Bildern festgehalten hat (…) Anfang der achziger Jahre kommt der ausgebildete Topograph nach Deutschland und findet auch schnell den Zugang zur Frankfurter Hochschule und hier den künstlerischen Rat von Thomas Bayrle und Per Kirkeby. (…) Allen Arbeiten liegt ein Aufleuchten der Wahrheit als surreales Moment zugrunde und verspricht als Hoffnung einen Augenblick des Wahrhaften (…)
Bilder dieser Kraft entstehen immer dann, wenn sich der Betroffene in einer unendlichen Einsamkeit, in einem Wechselbad von Zuneigung oder Verrat oder in einem Fieberrausch als seelisch Verstümmelter fühlt. So mischen sich Abstraktion und Surrealismus zu einer Neuwelt, in der die Bilder als Inseln der Sicherheit wirken, Schutz vor falscher Identität geben, und die Gefühle der Zerbrechlichkeit und Verzweiflung mit einem künstlerischen Wall umschließen. So entstehen ambivalente Bildaussagen von Explodieren müssen und sanfter Melancholie, die zu einem aktiven Protest gegen die scheinbare Hilflosigkeit wird. (…)“ Prof. Dr. Dr. Harald Brost „Verwirrende Klarheit“, Katalogtext, 1990

„…ein guter Maler sein heißt: Pferd und Reiter gleichzeitig sein … das Pferd trägt den Reiter – der Reiter trägt aber auch das Pferd … Pferd – das Material – die Summe der stofflichen Möglichkeiten – Farben – Gründe – Öle- Bindemittel und ihre vielen Beziehungen untereinander. Reiter steht für mich für den inhaltlichen Antrieb – Wo will ich hin? – Was will ich überhaupt mit welchen Mitteln formen?
Den Ausgleich – die Deckung der Krafte in einer Arbeit – in einer Art Ringkampf zu erreichen – ist die Form, die ich bei Erdogan Bulut seit einiger Zeit beobachten kann. (…) Beim Malen hat Erdogan Bulut viel Zeit. Alte Erlebnisse werden als Gedankenfetzen belichtet und kommen herauf … Tiere und Menschen – ganz nah zusammen – im Dorf – „Als Kind habe ich mir mein Spielzeug aus Draht und Lehm geformt“, sagt er. Davon ist viel in seiner Arbeit anwesend – und das ist was!“ Thomas Bayrle, Katalogtext, 1990

„Es regnet in Strömen, alles ist ruhig, außer dem Gezwitscher der Vögel, die wahrscheinlich auch versuchen, ein Loch zu finden, um sich zu verstecken, damit sie nicht naß werden.
Gleichzeitig denke ich an die Weinenden, die vor Dunkelheit und Regen Angst haben. Oder an die Verlassenen auf den Straßen, überall. Meine Vergangenheit taucht auf, wie ich während des Regens immer draußen sein wollte. Dann schüttele ich mich wieder, um wach zu bleiben vor dem Bild, das an der Wand hängt. Es muß auch gegossen werden (wie die Erde) mit Farben und Bindemittel.
Dort taucht der Hintergrund von dem Bild auf, ich vergleiche ihn mit dem Regen. Darauf eine kleine Figur, die sich retten will. Sie sucht eine ruhige Stelle, wo sie endlich in Sicherheit ist, wie ein Vogel. Auf dem oberen Teil des Bildes etwas Blau. Die Dunkelheit des Himmels verkleidet sich in Grün und Schwarz. Unruhige Linien bilden sich, die beinah explodieren müssen.
Es ist ein unordentlicher Krieg zwischen den Kontrasten (…) Das Bild soll diesen Kampf überleben, es muß lebendig bleiben (…).“ Erdogan Bulut, Katalogtext, 1991

„(…)„Die Farben kommen von draußen“, erklärt der Maler die Entscheidung für ein Kolorit. Die Erlebnisse aber, die in seinen Bildern verdichtet werden, kommen von draußen und drinnen: Buluts Malerei entzündet sich an Blicken in die Welt wie an Forschungsreisen durch die Seele. (…) Düsteres Preußischblau ist ein Grundton einer Reihe neuer Arbeiten. Vor ihrem Hintergund fragt der Maler individueller Mythologien, ob denn die Freiheit ein Mythos ist, und wie das Individuum die Unheilbarkeit der Welt überlebt“. Dorothea Baer-Bogenschütz „Zur Malerei von Erdogan Bulut“, Katalogtext, 1991

„Ein starkes Eigenleben gewinnen die zum Teil surrealen Figuren (Anm: auf den Bildern) auch durch den Dialog von Malerei und Skulptur in der Ausstellung. In Objekten aus Pappmaché, die auf Sockeln in der Mittel des Raums plaziert sind, tauchen Farbe und Bildgeschehen wieder auf. Bei ihren Titeln greift Bulut auf die griechische Mythologie zurück. Damit will er verschüttete Sensibiliät für die Dinge wiederbeleben, die jenseits der Grenzen des Verstandes liegen. So nimmt die „Trauer der Demeter“ zerrissene Gestalt an, steht für düsterfarbenes Mahnmal, das eindeutige aktuelle Bezüge aufweist, für ersterbende Fruchtbarkeit.“ Regine Schlett, Frankfurter Rundschau, 1991

„(…) Weit davon entfernt, mit seiner Kunst die schmerzlichen Seiten des Daseins auszuklammern und nur den Gesetzen der reinen Form zu folgen, bleibt Bulut den Widersprüchen des Lebens zugewandt (…). Der Maler, der (…) Elemente der Trivialkultur aufnimmt, bekundet auf diese Weise eine gewissen Affinität zu den Strategien der Pop Art. Der Humor und Witz, der in so manchen Kompositionen des Malers hervortritt, ist zweifellos Ausdruck eines Bestrebens, die in den Bildern symbolisch aufbrechenden Konflikte in eine gewisse innere Distanz zu rücken; die Heiterkeit, die die ins Groteske übersetzte Szene auslöst, entbindet von ihrer bedrohlichen Qualität (…) Malerei ist hier ein Instrument, das den blinden Zwängen in der inneren Natur ebenso opponiert wie jener Gleichgültigkeit, die über die bedrohten Wesen und Dinge in der äußeren Welt ungerührt hinweg geht. (…) Buluts Kunst ist an einer Versöhnung interessiert, durch die an die Stelle von Destruktion und Gewalt andere Formen der Interaktion treten.“ Dr. Hans Zitko „Trauer und Ironie“, Katalogtext, 1994

(…) Dabei dominieren durchaus nicht nur negative Anbindungen wie Tragik und Trauer. Geht man bei der Rezeption in die Tiefe, fühlt sich in die Sedimentsschichter hinter dem „Generaleindruck“ hinein, dann stößt man auch auf ironische, geradezu liebevoll komische Elemente. Es sind gerade diese „Inseln“, von denen aus die für das Werk von Erdogan Bulut typische Thematisierung von sonst oft verdrängten Konfliktpotentialen mit besonderer Intensität geleistet wird. Der Gestus von Destruktion und Gewalt – die Ausstellung im Marstall belegt das – dominiert die Farb- und Formgebung des Künstlers. Allerdings setzt der eigenwillige, seinem Stilwillen und seinen künstlerischen Intentionen kompromißlos verbundene Erdogan Bulut immanent starke Gegenakzente“ ath. Museum Schloss Steinheimer Marstall „Geradezu liebvoll komische Elemente“, Artikel, 1995

„(…) Bulut verfügt über kompositorische Sicherheit vom Zentrum bis zum Rand.
Jetzt hat der Kurde (Jahrgang 1961), der nach seinem Studium an der Städelschule in Frankfurt geblieben ist, die Bildgrenzen überschritten. In shaped Canvas-Manier begann Bulut vor einiger Zeit, Holzstücke unterschiedlichster Formen zurechtzusägen, Ölgemälde darüber zu spannen. Das Ergebnis ist komisch und anarchisch zugleich.“ bab, Frankfurter Rundschau, 1995

„(…) Organische Formen in warmen und heiteren Farben sind aus seinem – zu einem großen Rechteck angeordneten – 612 Miniaturbildern zu sehen, die unergründlich geheimnisvoll Geschichten zu erzählen scheinen (…) zusammen mit einem mindestens so anziehenden und ebenfalls in diesem Jahr entstandenen Gegenstück mit dem ähnlich witzigen Titel „Gebrumme“. Hier wurden 232 kleine runde Bildchen zu einem Kreis von anderthalb Meter Durchmesser gruppiert. Es sind zwei Wandbilder von auch objekthafter Wirklung; als Malgrund dienten die Oberflächen der winzigen Quarder oder flachen Zylinder aus gegossenem Gips-Zellan, die der Künstler hergestellt hat.“ Konstanze Crüwell, Frankfurter Allgemeine Zeitung, FAZ, 2000

„Seine Gemälde sind noch etwas anderes als Gemälde: Selbstgemachte Souvenirs, Erinnerungsstücke, die der Bewusstmachung des Fortgangs von Geschichte dienen. Immerzu ist Erdogan Bulut auf der Pirsch. Immerfort schleppe er einen „Sack voll mit Aufnahmen“ in sein Atelier (…) Seine Kunst sei die Frucht von Reisen in der Realität und auf den verschlungenen Pfaden der Seele, sagt er. Zielgerichtet sind sie nicht. Buluts Bildausbeute braucht keinen Dreh- und Angelpunkt. Seine Schöpfungen gedeihen überall und nirgends (…) Im Zentrum der Ausstellung stehen zwei vielteilige Wandbilder, die schon mit ihren Titeln darauf hinweisen, dass die Welt ein Ameisenhaufen ist. Gemurmel und Gebrumme nennt Bulut seine jüngsten Kreationen. (…)
Unsere Existenz ist darauf gleichsam mit dem Insektenauge gesehen. Ganzheit ergibt sich erst in der Fantasie des Betrachters. Im Gesamttableau sind alle Elemente unhierarchisch angeordnet – so wie das Leben eben demjenigen Wanderer gegenübertritt, der sich von seiner persönlichen Neugier statt vom Diktat Fremder treiben lässt.
Dargestellt ist Undefiniertes und Vertrautes, Körperteile, Landschaftausschnitte, biomorphe Gebilde, Rote Lippen, ein runder Po, ein Stück Himmel, ein Kopf à la Jawlensky. (..) Ihm ist der Bildgegenstand egal. Auf Einzelheiten kommt es ihm nicht an. Vielmehr auf die atmosphärische Assoziation. Darauf, „das Gute und das Böse, Krieg, Liebe, Hass, Bewegung, Lachen und Weinen in Malerei auszudrücken“. Und tatsächlich purzeln die Eindrucke davon aus Buluts Farbbeutel wie die Bauklötzchen aus dem Sack des heiligen Nikolaus“ Dorothee Baer-Bogenschütz, Frankfurter Rundschau, FR, 2000

„(…) Eine Malerei dieser Qualität, ein so souveräner Umgang mit den Vorbildern, weckt natürlich die Neugierde auf den weiteren Weg Erdogan Buluts, den sein Lehrer an der Städelschule, Prof. Per Kirkeby, als seinen talentiertesten Schüler beschrieb. (…) In minutiöser Aufreihung sind 612 (…) Quader, mit den Maßen 5,5 x 4 x 2cm an die Wand genagelt (…), hier handelt es sich (…), um die geometrische Anordnung sich nie widerholender, organischer Formen, die auch Thema seiner großformatigen Bilder und Zeichnungen sind. Bulut selbst stellt in Anbetracht dieser Werke den Bezug her zu kleinen, selbstgebrannten Ziegeln seiner Kindheit, die er bemalte.
Damit rückt das Thema der sich verwischenden Grenze, der Trennung von dem natürlichen Umraum dieser Formen auf“ Dr. Urzula Grzecha-Mohr, „Atelierbesuche bei Erdogan Bulut“, Katalogtext, 2000

„(…) Eben dieses pausenlose Ringen um eine Bildform, die das Einzelne als Vereinzeltes und gleichzeitig als Teil eines größeren, aber nie vollständigen, nie zur ursprünglichen Ganzheit zurückfindenden Zusammenhangs zeigt, steht auch im Mittelpunkt des großen Werkkomplexes, mit dem der Künstler etwa seit 2001 beschäftigt ist. Diese permanent weiterwachsende, bis heute mehr als dreißig annähernd gleichformatige, große Leinwände umfassende Reihe wirkt in ihrem Nebeneinander aus isolierten malerischen Einzelelementen und gesamtkompositorischem Anspruch wie eine Synthese aus den Arbeiten der frühen 90er Jahre und den vielteiligen Tableaus „Gemurmel“ und „Gebrumme“.
Das Geschehen, das „Spielplatz“, so der Gesamttitel der Reihe, auf seinen immer querformatigen Leinwänden entfaltet, erscheint ebenso komplex wie rätselhaft. Nahezu unhierarchisiert versammelt sich auf den vorwiegend weißen Bilduntergründen ein breites Ensemble an „Darstellern“: Fratzenhafte, leicht zerdrückte oder verzerrte Gestalten, die von ferne Dubuffet und die Art brut zitieren, erscheinen neben Kapuzenmännern, Totenköpfen und Kreuzen. Das Motiv der Kinderrutsche spielt direkt auf den titelgebenden Spielplatz an. Mauerstücke, Zäune, Tore setzen architektonische Akzente, ohne dass dadurch die Szene lokalisierbar würde. Neben diesen gegenständlichen Elementen behaupten organoid-abstrakte Formlinge ihre hermetische Symbolik. Es liegt etwas Bühnenhaftes über diesen Situationen, das latent schon länger in Erdogan Buluts Arbeiten angelegt ist. „Arena I und II“ hießen beispielweise zwei hochformatige Arbeiten aus den Jahren 1998/99, deren Titel schon den Zusammenhang zwischen Bild und theatralischer Szene betont. „Spielplatz“ verstärkt diesen Aspekt deutlich. Was uns diese panoramatischen Querformate zeigen, ist nicht weniger als ein „theatrum mundi“, ein Stück über die innere Verfassung der Welt. (…)
„Buluts „Reise mit leerem Rucksack auf dem Rücken die Straße entlang“ vorbei an „tausenden von Lebewesen, die beweglich sind“ (E.B.), ist ein melancholisches, aber kein hoffnungsloses Erinnerungsprojekt. Es ist ein fetzen- und stückchenhaftes malerisches Sammeln von Antagonismen, die unsere Welt bewegen. Gut und Böse, Liebe und Hass, symbolische Mauern und reale Begrenzungen spielen darin die Hauptrolle. Möglicher Pathos reduziert der Maler dabei schon durch seine Malanlage“. Prof. Dr. Stephan Berg “Melancholisches Welttheater“, Katalogtext, 2006

„(…) Seit einiger Zeit lebt er (E.B.) in Hannover. Doch wo auch immer: mit großen, klaren Augen und teilnahmsvollem Herzen schaut er genau hin, erkennt bei seinen Mitmenschen „die Erinnerungen, die sie hinter sich haben, und die Gedanken, die sie vor sich haben“ (E.B.) (…) Eine Welt sind sie, aus Erinnungsfetzen des kollektiven wie des individuellen Gedächnisses, melancholisch, nicht hoffnungslos, manchmal komisch.“ cvh, Frankfurter Allgemeine Zeitung, FAZ, 2009

„(…) „Ich tanze mit Farben und Formen“, sagt Bulut (…), wer wirbelnde Bildmotive erwartet, irrt. Dieses Tanzen ist ein innerer Prozess, mit dem er die Motive aus seiner Imagination heraus konkretisiert. Es sind verschachtelte Bilder mit humanoiden Figuren, mit Landschften, Maschinenkonstrukten, Leitern, Zäunen. Alles mit comichaften, mal zarten, mal starken Linien umfasst. (…) „Bilder bestehen aus Grenzen und explodieren dann. (Bulut) “ (…) Buluts Welterfahrung vermischt sich mit den Bildern, die er im Fernsehen sieht, nährt seine Kunst. „Als Künstler und Mensch fühle ich mich für den Planeten, auf dem ich Gast bin, verantwortlich.“ (Bulut) Beate Barrein „ Künstlerporträt: Erdogan Bulut“ in TAZ, 2013

Erdogan Bulut (* 1961 in Palu/ kurdischer Teil der Türkei) ist Maler und Bildhauer.
Studium vom 1985 -1990 bei Thomas Bayrle und Per Kirkeby, Hochschule der bildenden Künste, Frankfurt/M, 1982 – 1988 Mitglied Künstlergruppe Aaron, Hanau.1991 Preis der Frankfurter Künstlerhilfe, 1992-1994 Dozent für Malerei und Grafik, Hochschule für Gestaltung, Offenbach/M., Ausstellungen im In- und Ausland. Messeteilnahmen im In- und Ausland. Seine Arbeiten finden sich in Sammlungen in Deutschland, Schottland, Schweiz, Lichtenberg, USA, Dänemark, Italien.

Web-Links

Erdogan Bulut in : Künstlerlexikon DeGryter

TAZ „Künstlerporträt: Erdogan Bulut“
Prof. Dr. Stephan Berg „Melancholisches Welt-Theater“
Prof. Dr. Stephan Berg „Melancholic World Theater“

Literatur über Erdogan Bulut im Katalog der Deutsche Nationalbibliotek

Bibliografie (Auswahl)

Erdogan Bulut, Bilder und Pastelle mit Texten von Thomas Bayrle und Prof.Dr.Dr.Harald Brost (Galerie Bernd Slutzky, 1990)
Erdogan Bulut, Bilder und Skulpturen mit einem Text von Dorothee Baer-Bogenschütz (Galerie Bernd Slutzky, 1991)
Erdogan Bulut, Bilder Ausstellung zum Jahreskunstpreis 1991 (Galerie ak, Frankfurt, 1992)
Erdogon Bulut, Neue Bilder und Skulpturen mit einem Text von Dr. Hans Zitko (Galerie Bernd Slutzky, 1994)
Erdogan Bulut, Getting Image, Bilder und Bildobjekte mit einem Text von Dr. Ursula Grzechca-Mohr (Galerie Bernd Slutzky, 2000)
Erdogan Bulut, Spielplätze 2003 – 2006 mit einem Text von Prof.Dr. Stephan Berg (Galerie k9 aktuelle Kunst, 2006)
Dependtendency by Celeste during the 53rd Visual Arts Biennal, Venice mit Texten von Kunstsammlern und Kunstkuratoren (Celeste 2009)