Den Schrei einfach mal herauslassen

Künstlerin Öznur Asir aus Hannover präsentiert rund zehn Bilder sowie zwei Skulpturen, die sich dem Schrei, dem zweiten Teil des Menschen, widmen. Im „Atelier am Park“ der Künstlergruppe um Detlef Bartels (Foto), Anke Hoge und Rüdiger Brede hat die 36-Jährige einen Raum für ihre erste Ausstellung gefunden. Foto: Klein

Öznur Asir aus Hannover zeigt interessante Werke im „Atelier am Park“ / Vernissage am 3. Mai

GRONAU „Alles, was aus der Rolle tanzt, ist normal“ – mutige Worte einer Küstlerin aus Hannover. Öznur Asir will mit ihren Werken Themen aufarbeiten, für die in der heutigen Gesellschaft kaum Platz ist. Ein Tabu-Thema ist etwa „der Schrei“, der ihren Angaben zufolge oftmals unterdrückt werden muss, um den Platz in der Gesellschaft behalten zu können.

Öznur Asir ist 36 Jahre alt, sie lebt in Hannover und studiert Kunst. „Oft muss man sich im Alltag zurücknehmen“, schildert sie eigene Erfahrungen. Sie ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, doch „in keinem Land dieser Welt“ wird sie sich zu Hause fühlen. Doch dies sei für die Künstlerin völlig in Ordnung, eben normal. In ihrer Kunst aber verarbeitet sie Themen, die in der Gesellschaft oftmals keinen oder nur am Rande Platz finden. So widmet sich ihre erste Ausstellung dem Schrei, dem zweiten Teil des Menschen neben der freundlichen Seite, wie die Künstlerin mitteilt. „Der Schrei ist absolut menschlich“, ist Öznur Asir überzeugt: Immerhin komme man mit dem Schrei zur Welt. Doch später werde dieser oftmals unterdrückt, eben weil sich der Mensch meist nicht dem gesellschaftlichen Druck wiedersetzen wolle. „Ich übernehme dies für alle in meinen Bildern“, schmunzelt die Hannoveranerin, die im „Atelier am Park“ in Gronau einen Raum für ihre erste Ausstellung gefunden hat. Mehr oder weniger zufällig ist sie auf die Künstlergruppe um Detlef Bartels, Anke Hoge und Rüdiger Brede aufmerksam geworden. „Ich wollte wissen, was in Sachen Kunst in Niedersachsen so los ist“, erzählt Öznur Asir. Im Internet hat sie recherchiert und ist so auf das Gronauer Atelier gekommen. Auf Anhieb war man sich sympathisch, wie die Künstlerin mitteilt. Detlef Bartels pflichtet bei: „Die Zusammenarbeit ist spontan entstanden.“ Da derzeit keine Ausstellung des Trios geplant ist, wollte es anderen Künstlern die Chance geben, deren Werke zu präsentieren – in diesem Fall eben Öznur Asir.

Bereits seit ihrer Kindheit widmet sie sich der Malerei. „Es wird immer intensiver. Die Themen verfestigen sich“, spricht die Hannoveranerin über ihre Arbeit. Im Rahmen der rund einmonatigen Ausstellung im Mai werden um die zehn Bilder zu sehen sein. Bei manchen Werken müsse aber schon genauer hingeschaut werden, um den Schrei zu entdecken, verrät die Künstlerin, dessen Arbeitsweise zunächst etwas ungewöhnlich klingt: „Ich beginne mit einem Bild, das ich dann allerdings zerstöre. Dann bin ich frei für das eigentliche Werk.“ Neben den Ölmalerei-Bildern werden auch zwei Skulpturen zu bestaunen sein. „Mit der Malerei habe ich angefangen, aber die Liebe zu Skulpturen war innerlich schon immer da“, gesteht Öznur Asir, die ihr Grundstudium absolviert und nun mit dem Kunst-Hauptstudium begonnen hat.

Aufgeregt vor ihrer ersten Ausstellung aber ist sie nicht, vielmehr neugierig, wie die Menschen reagieren werden. Ansprechen will sie nicht nur Kunstkenner, sondern alle Menschen. „Das ist ein Thema für Jedermann“, betont die Künstlerin und blickt zu einem ihrer Werke: Der Schrei ist deutlich zu erkennen. Zudem spiegele das Bild die Angst vor dem Tod, entkommen aber wird man ihm nicht. „Viele Menschen trauen sich nicht, sich damit auseinander zu setzen“, sagt sie. Die Ausstellung mit dem Titel „Sind wir nicht alle zwei?“ wird am Sonnabend, 3. Mai, um 16 Uhr mit einer Vernissage im „Atelier am Park“ im Osterbrink 2 eröffnet. Die Künstlerin wird dann vor Ort sein, um mit den ersten Besuchern ins Gespräch zu kommen. Danach ist die Ausstellung werktags von 17 bis 20 Uhr sowie am Wochenende nach der Frühstückszeit geöffnet. Detlef Bartels aber rät Interessierten, sich vor dem Besuch telefonisch unter 05182/606465 anzumelden.

22.April.2014, leinetal24, zum Artikel