Philip und Tim präsentierten „From Graffiti to Art“

Vernissage setzte farbige Akzente beim Schulfest der Realschule Lehrte

Tim Carlsson (16) und Phillp Mehrwald (17) präsentieren
uns ihre Bilder in der Realschule L ehrte; ein Ort, den sie
kennen.
Was sagen uns diese Bilder? Und: Haben sie etwas mit
dem Ort dieser Ausstellung zu tun? Was denken diese
jungen Künstler selbst von ihren Bildern? Oder sind diese
Fragen eher unwichtig? Sollte sich der Betrachter vielleicht
selbst seine Gedanken zu den Bildern machen?

Fern vom Pflichtunterricht Kunst erarbeiten Tim und Philip
ihre Bilder privat und fOr sich. Die Akademie der Bildenden
Künste (abk) bietet für sie die ideale Plattform, auf der sie
sich kreativ betätigen können. Für ihr Alter ist es eher
ungewöhnlich, dass sie bereits mit dem Akademiebetrieb
zu tun haben. Doch gerade auch für diese Altersgruppe der
jungen und begabten Menschen bietet die abk genug
Freiraum (auch örtlich) zur freien Entfaltung. Unter der
Leitung von Sonja Bieker und Erdogan Bulut (beide selbst
KünstIer und Mitgründer der abk Hannover) begannen Tim
und Philip ihre freiwillige künstlerische Arbeit und mussten
auch erkennen, dass Bilder Zeit brauchen. Mit wenigen Stunden war es nicht getan.

Wenn man die Bilder der beiden anschaut, so kann man schnell die Stilrichtungen erkennen. Tim fühlt sich zu drastischeren Bildthemen hingezogen. Aggressivität gehört ebenfalls dazu. Philip hingegen malt eher ruhigere Themen, beschäftigt sich dabei sehr mit Farbkontrasten.
Beide holen sich ihre Ideen aus dem Alltag, aus der Umwelt, aus dem Leben. Stark fallt auf, dass sie ihre Ursprünge aus dem Bereich der Graffiti-Kunst sehen. „Mit Graffiti fing alles an“, so Tim.

Und noch heute ist Graffiti ein wichtiger Bestandteil im Leben der beiden. Im Graffiti wird Lack verwendet. Tim benutzt Lack auch für seine Leinwand und bringt Elemente des Graffiti ein. Es ist die individuelle Handschrift. In Tims Bildern taucht mitunter das Bild des Totenkopfes auf: allgemein ein Vanitas Symbol. Für Tim ein Symbol, das „schön“ ist, aber auch für die Aggressivität steht. Tim malt Kameras, und setzt damit ein Zeichen gegen die Überwachung des Polizeistaates und gegen den „gläsernen Menschen“.

Philips Bilder thematisieren auch stark abstrakte Themen
und setzt dabei Farben bewusst ein. Auch erinnern seine
Bilder an japanische Holztafeln (z.B. Kurosava), welche
ebenfalls in ihrer gezielten und starken Farbigkeit
(Komplementärkontraste) Flächigkeit erzeugen und das
Leben als Symbol darstellen.
Manch andere Bilder von Philip erinnern in ihrer grellen
und heftigen Farbigkeit an die psychedelischen (GIücksgefühle hervorrufende) Bildmotive der siebziger Jahre.

Andere Bilder wiederum strahlen eine große Ruhe aus (gezielter Einsatz des Blaus). Insgesamt zeigt die Ausstellung von Tim und Phllip die Entwicklung der beiden, von der bloßen Graffitimalerei hin zur Bildenden Kunst. Wobei die Stilrichtungen (Surrealismus, Symbolismus, Expressionismus, Graffiti) variiert werden.
Diese Ausstellung zeigt auch die persönliche Entwicklung der beiden Personen selbst. Dadurch wird gezeigt, dass nicht nur die Schule die Entwicklung der beiden Schüler beeinflusst, sondern auch die Kunst selbst. Ich denke, Tim und Philip werden sich künstlerisch noch weiter
entwickeln.

Aniko Kövesdi